Grünes Blog Leipzig

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Ein Blick von Leipzig in die Welt

„Braunkohleverstromung-Brauchen wir das?“ ein Seminar mit Christian Breyer

Im Rahmen ihrer Energiereihe hat der AK Umwelt und Klimaschutz der Grünen Leipzig am Mittwoch, den 06. April 2011 zum Seminar „Braunkohleverstromung - Brauchen wir das?“ in die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Leipzig eingeladen. Redner war Christian Breyer – Mitarbeiter beim internationalen Photovoltaikunternehmen Q-Cells mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen – der seit Jahren in der Energiewirtschaft tätig ist und sich vor allem mit den Konsequenzen einer vermehrten Elektrizitätsbereitstellung durch Photovoltaik auf die Energiemärkte beschäftigt.
Zunächst führte Breyer die 14 Interessierten in die Thematik Braunkohle ein. Braunkohle hat im Vergleich zu anderen Energieträgern einen hohen Wasseranteil, jedoch einen niedrigen, spezifischen Energiegehalt, weshalb es sehr aufwendig ist diesen zu fördern. Deutschland ist mit 169 Mt Spitzenreiter bei der Nutzung von Braunkohle, gefolgt von China und der Türkei. Größtes Exportland hingegen ist Australien. Die deutschen Braunkohleförderstätten befinden sich im Rheinland und in der Lausitz. Schlusslicht bildet das mitteldeutsche Braunkohlerevier.
Angesichts einer weltweiten Zunahme des Energiebedarfs und der Herausforderungen des Klimawandels ging der studierte Physiker und Ingenieur im weiteren Verlauf auf Szenarien wie Peak-Oil / Peak-Gas / Peak-Coal / Peak-Uranium ein und auf die zwingende Restrukturierung des globalen Energieversorgungsystems, die Wissenschaftler schon in den 1930er Jahren ausmachten.
Vor allem den Nutzen der Braunkohle – als heimischer Energieträger, zur Sicherung von Arbeitsplätzen, seine Funktion als Grundlastkraftwerk und zur kostengünstigen Energieversorgung – galt es zu hinterfragen. Braunkohle trug 2009 gut 25% am Bruttostromverbrauch Deutschlands bei. Zwar sind in Deutschland 25.000 Arbeitsplätze in der Braunkohlewirtschaft angesiedelt, doch kommt allein die Windenergie mit einem Anteil von 6,6% am Strommix 2009 auf gut 87.000 Arbeitsplätze. Mehr als das Dreifache.
Auch revidierte der Referent das Argument der kostengünstigen Stromerzeugung aus der Braunkohleverstromung, bei der weder die sozialen Kosten der CO2-Emissionen noch der CCS-Technologie mit eingerechnet werden. In diesem Falle würden die Stromgestehungskosten bei gut 10-21EuroCt/kWh liegen; finanzielle Subventionen und Krankheiten noch gar nicht mit einberechnet. Denn auch bei der Braunkohleförderung werden radioaktive Substanzen frei wie Radon, Thorium und Uran. Auch vor den Toren Leipzigs im Braunkohlekraftwerk Lippendorf.
Mit Blick auf die Endlichkeit fossiler Energieträger wie Braunkohle und der damit verbundenen Umweltbelastungen und gesundheitlichen Schäden zeigte Breyer im letzten Teil seines Seminars Alternativen für eine nachhaltige Wirtschaftlichkeit und lokale Wertschöpfung auf, die durch erneuerbare Energien gedeckt werden können. Das Bundesland Sachsen – bis heute Schlusslicht im deutschlandweiten Ausbau erneuerbarer Energien – hätte hierfür ideale Standortbedingungen; vor allem für die Nutzung von Solar- und Windenergie.

„Unsere Enkel werden uns
bestimmt die Schuld geben,
wenn sie herausfinden, dass
wir die Realität des Menschen
gemachten Klimawandels
verstanden, aber versagt haben
irgendetwas dagegen zu
unternehmen.“

Naomi Oreskes
Science, 306, 1686 (2004)