Grünes Blog Leipzig

Rückblick: Auswirkungen der Atomkraftlaufzeitverlängerung auf den deutschen Strommarkt - eine Leipziger Perspektive.

Fachvortrag vom 19.01.2011
Als Auftakt ihrer Energiereihe hat der AK Umwelt und Klimaschutz der Grünen Leipzig mit einem Fachvortrag am Mittwoch, den 19.01.2011 in ihre Geschäftsstelle eingeladen. Zu Gast war Hendrik Kondziella – wissenschaftlicher Mitarbeiter am Vattenfall Europe Lehrstuhl für Energiemanagement und Nachhaltigkeit und Co-Autor der Studie „Auswirkung einer Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke auf die Preise und die Wettbewerbsstruktur im deutschen Strommarkt“. Ungefähr 10 Gäste lauschten der ausführlichen Präsentation Herrn Kondziellas, bei der es in erster Linie darum ging, aus der Perspektive der Wissenschaftler und Ökonomen (Institut für Infrastruktur und Ressourcenmanagement / Universität Leipzig sowie arrhenius Institut für Energie- und Klimapolitik) darzulegen, welch nachteilige Auswirkung eine Atomkraftlaufzeitverlängerung auf die Erzeugungsstruktur kommunaler Energieunternehmen (Stadtwerke, Industriekraftwerke, unabhängige Erzeuger)  hat. Im Auftrag der acht größten deutschen kommunalen Unternehmen ([KU] www.8ku.de) wurden mittels des Strommarktmodells „MICOES“  Szenarienanalysen erstellt (Quantitative Analyse der ökonomischen Auswirkungen einer Laufzeitverlängerung sowie Analyse der Instrumente zum Ausgleich der sich daraus für kommunale Unternehmen ergebenden Nachteile).
Vier Instrumente wurden bei der Analyse einbezogen: 1) Konventionelle Kraftwerke und Erneuerbare Energien, 2) Entwicklung der Brennstoff- und CO2-Preise, Verlauf der Stromnachfrage und Stützjahre (2010, 2015, 2020, 2025, 2030, 2035, 2040). 
Nach Aussage Herrn Kondziellas sollte der vormalige Atomausstieg (Atomkonsens 2000) den fehlenden Wettbewerb auf dem deutschen Strommarkt ankurbeln und zudem eine effizientere Stromversorgung mittels Ausbaus der Kraft-Wärme-Kopplung und des verstärkten Einsatzes Erneuerbarer Energien fördern. Vor allem kommunale Unternehmen wie Stadtwerke hätten seitdem Investitionen in effiziente und innovative Energieerzeugungsanlagen getätigt.
 Zur Analyse wurde auf die Darstellung des ökonomischen Modells „Merit Order“ zurückgegriffen, welches anschaulich die Einsatzreihenfolge deutscher Kraftwerke anhand steigender variabler Kosten der Stromerzeugung darstelle. Beginnend mit den niedrigsten Grenzkosten (Erneuerbare Energienanlagen), würden Kraftwerke mit steigenden Grenzkosten (in der Reihenfolge Atomkraftwerke, Braunkohle, Steinkohle, Erdgas (GuD) und Öl) zugeschalten bis die Nachfrage nach Strom gedeckt sei. Eine Atomkraftlaufzeitverlängerung würde nun den Output der  Gas- und Dampfkraftwerke, Gasturbinen und damit verbundener Kraft-Wärme-Kopplung verdrängen, da die niedrigeren Grenzkosten der Atomkraftwerke die Stromerzeugung ausweiten würden. Sprich, eine Verlängerung der Laufzeiten führe zu einer systematischen Erhöhung der in den Kraftwerken der Verbundunternehmen (E.ON, Vattenfall, EnBW, RWE) erzeugten Strommengen. 2015 entspräche die zusätzliche Strommenge für Verbundunternehmen 8 Prozent und 2025 64 Prozent. Demgegenüber wären kommunale Unternehmen Verlierer dieser politischen Entscheidung. Ihnen entginge 2015 eine Strommenge von -27 Prozent und 2025 -12 Prozent. Für Stadtwerke eine beachtliche Summe. Sie wären die Verlierer einer Laufzeitverlängerung, da deren Marktposition auf der Erzeugerseite geschwächt werde und der Betrieb von gas- und kohlebefeuerten Kraftwerken und Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen unwirtschaftlich und dementsprechend zurückgefahren werden müsste. Entgangene Erlöse kämen hinzu. Dies werde in der Wissenschaft als Mengen- und Preiseffekt beschrieben. Der Verdrängungseffekt senke die Strommenge, die in fossil befeuerten Kraftwerken erzeugt werde (Mengeneffekt). Daraus resultiere ein niedrigerer Spotmarktpreis (Preiseffekt).
Desweiteren verwies Herr Kondziella darauf, dass die vier Verbundunternehmen (E.ON, RWE, Vattenfall, EnBW) 2010 auf der Stromerzeugungsstufe einen Marktanteil von ca. 80 Prozent hatten. Die restlichen 20 Prozent Marktanteil nahmen die kommunalen Unternehmen in Anspruch. Durch eine Atomkraftlaufzeitverlängerung würde sich das Marktungleichgewicht zu Gunsten der Verbundunternehmen verstärken, während die kommunalen Unternehmen Marktanteile verlieren würden. Die Vormachtstellung der Verbundunternehmen auf dem Strommarkt wäre somit über Jahre zementiert.
Es ließe sich feststellen, dass eine Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke der vier großen Verbundunternehmen ihnen wirtschaftliche und finanzielle Vorteile zulasten der kleineren, unabhängigen Energieunternehmen (wie Stadtwerke) bringen würden. Konkret wurden zusätzliche Erlöse in Atomkraftwerken in Höhe von 104 Milliarden Euro (kumuliert bis 2040) errechnet. Demgegenüber würden kommunale Unternehmen entgangene Erlöse in Höhe von 36 Milliarden Euro verzeichnen (kumuliert bis 2040). 
Als Resultat der Forschungsergebnisse betonte Herr Kondziella, dass eine Laufzeitverlängerung nicht nur die Marktstellung kommunaler Unternehmen eindämme, sondern ebenso den Neubau / Investitionen in innovative, effiziente Kraftwerke um Jahre verschiebe. Ziel der Verbundunternehmen sei in diesem Zusammenhang ein monetärer Vorteilsausgleich, der von Seiten der Politik durch ein wettbewerbsgerechtes Element wie die Brennstoffsteuer abgeschöpft werden könnte. Ähnliche  Handlungsoptionen wären eine Sondergewinn/-steuerabgabe, der Verkauf der Kernkraftwerke oder deren Stilllegung.
Die Studie ist in ihrer Art die einzige, die die Auswirkungen einer Laufzeitverlängerung auf die Erzeugungsstruktur bisher untersucht hat.
Weitere Informationen unter:
http://www.8ku.de/fileadmin/media/8KU_Office/Kurzstudie_Dr_Boege.pdf
http://www.8ku.de/fileadmin/media/8KU_Office/Kurzstudie_Uni_Leipzig.pdf

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CDU enttarnt Mär von der Brückentechnologie

Sächsische Atom- und Energiedebatte:

In einem Dringlichen Antrag hat die GRÜNE- Landtagsfraktion versucht den geplanten Transport von sächsischem Atommüll aus Ahaus nach  Russland zu stoppen. Das Bundesamt für Strahlenschutz hatte dem Transport des radioaktiven  Materials bereits zugestimmt. Jederzeit kann somit der Transport beginnen, selbst wenn die  Staatsregierung noch keine genauen Termine  genannt hat. Die Behandlung im Plenum drängt.  Johannes Lichdi, energiepolitischer Sprecher  der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN forderte den Landtag auf, sich der Verantwortung für  die in Sachsen genutzten Brennstäbe nicht zu  entziehen, sondern einem Transport nach Russland erst dann zuzustimmen, wenn am Bestimmungsort eine dauerhaft sichere Lagerung ge- währleistet ist. Die Regierungskoalition lehnte es  jedoch ab, den Antrag auf die Tagesordnung zu  setzen.   Dafür spuken der sächsischen CDU noch viel  zu sehr die Atomenergie-Träume in den Köpfen,  wie in der anschließenden Debatte zu den Auswirkungen der Atompläne der Bundesregierung  auf Sachsen deutlich wurde. Die Forderung des  wirtschaftspolitischen Sprechers, Frank Heidan  (CDU) nach einem Neubau von Atomkraftwerken um die im Energieszenario der Bundesre- gierung klaffende Stromlücke zu schließen, entlarvte die Mär von der Brückentechnologie als  klare Lüge.  Johannes Lichdi widerlegte die angebliche Renaissance der Atomkraft in Europa mit Verweis auf den einzigen derzeit im Bau befindlichen AKW in Finnland. Dieser sei doppelt so  teuer wie geplant und wäre ohne staatliche Subventionen nie gebaut worden.
Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) erklärte sich mit der Laufzeitverlängerung einverstanden und meinte, die Braunkohle sei ja jetzt  im Energiekonzept erwähnt und sächsische Interessen gesichert. Eine Zustimmungspflicht der  Länder im Bundesrat könne er auch nicht erkennen, weshalb Sachsen diese auch nicht einzufordern brauche. 
Für Lichdi eine glatte Fehleinschätzung: “Die  süddeutschen Länder, in denen Atomkraftwerke  stehen - Bayern, Baden-Württemberg und Hessen -‚ haben sich industriepolitisch einen massiven Vorteil für die nächsten 20 Jahre gesichert.
Das, was Sie hätten tun sollen, nämlich hier für  die ostdeutsche, die sächsische Fotovoltaik- und  Windindustrie zu kämpfen, das haben Sie nicht  getan! Das heißt, was hier passiert, ist ein massiver industriepolitischer Nachteil des Ostens.“

Aus der Landtagsdepesche "Grüne Sicht" - Oktober 2010

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Campact e.V. - 25 000 Unterschriften für den Atomausstieg in 24 Stunden / Blitz-Start für Anti-Atom-Aktion

Berlin (ots) - Innerhalb von 24 Stunden haben bereits über 25.000 Bürgerinnen und Bürger einen vom Kampagnen-Netzwerk Campact und der Anti-Atom-Kampagne Ausgestrahlt getragenen offenen Brief an Angela Merkel, Horst Seehofer und Guido Westerwelle unterschrieben.( http://www.campact.de , http://www.ausgestrahlt.de ) Darin appellieren sie an CDU, CSU und FDP den mit dem Atomkonsens halbwegs befriedeten Konflikt um die Atomkraft, der Jahrzehnte die Republik gespalten habe, nicht wieder anzufachen. Sollte eine neue schwarz-gelbe Regierungskoalition den Atomausstieg nicht endlich vollziehen, kündigen die Unterzeichner an, "sich an den zu erwartenden massiven Protesten der Anti-Atom-Bewegung zu beteiligen."

"Selten gab es bei einem Online-Appell so eine hohe Beteiligung in so kurzer Zeit. Sollten Union und FDP wirklich eine Renaissance der Atomkraft in Deutschland einläuten wollen, werden sie ein Comeback der Anti-Atom-Bewegung erleben", erklärte Campact-Geschäftsführer Christoph Bautz. "Alle Umfragen belegen, dass CDU, CSU und FDP die Bundestagswahl nicht wegen, sondern trotz ihrer Position zur Atomenergie gewonnen haben. Selbst die eigenen Anhänger wollen mehrheitlich der Risikotechnologie Atomkraft den Rücken kehren."

"Wir sind über die Begehrlichkeiten der Stromkonzerne empört, die weiter auf Kosten der Allgemeinheit mit maroden Atomkraftwerken Gewinne einfahren wollen", erklärt Jochen Stay, Sprecher von Ausgestrahlt. "Werden Schrottreaktoren wie beispielsweise Biblis, Brunsbüttel und Krümmel nicht umgehend stillgelegt, wird der Konflikt um die Atomkraft sich weiter zuspitzen. Merkel muss zeigen, ob sie wirklich wie versprochen die Kanzlerin für alle sein möchte oder nur den Interessen der Atomlobby dient."

Mit dem Offenen Brief fordern die Unterzeichner, den Atomausstieg zu beschleunigen und die sieben ältesten Atomkraftwerke und den Pannenreaktor Krümmel umgehend vom Netz zu nehmen. "Ziehen Sie endlich einen Schlussstrich unter die jahrzehntelangen Lügen, die den Ausbau des völlig ungeeigneten Salzstocks Gorleben zum Endlager begleitet haben! Starten Sie eine neue, vergleichende Standortsuche nach klaren Kriterien", heißt es in dem Brief weiter. Der Ausbau der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz müsse weiter gehen. Jedes Aufweichen des Atomausstieges gefährde die Investitionssicherheit dieser Zukunftsbranchen.

"Wir werden in den nächsten Tagen weiter Unterschriften sammeln", kündigt Christoph Bautz an. "Damit die künftige Bundesregierung eine Vorstellung davon bekommt, was auf sie zukommt, wenn sie den Begehrlichkeiten der Stromkonzerne folgt", sagte Bautz.

Den kompletten Wortlaut des offenen Briefes an Merkel, Westerwelle und Seehofer finden Sie hier: http://www.campact.de/atom2/sn6/signer

Pressekontakt:

Campact e.V.
Yves Venedey

Wir Leipziger Grünen unterstützen die "Anti-Austieg aus dem Ausstieg-" Aktivitäten und den offenen Brief an Merkel, Seehofer und Westerwelle, von Campact e.V. und haben deshalb schon am 03.09.09 an der Aktions-Demo Endlagersuche "Ist Leipzig als Atommüll-Endlager geeignet?", des Campact e.V. teilgenommen.

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