“Wir brauchen die besten Schulen dort, wo wir die größten sozialen Disparitäten haben.”

Am Montag, den 06.05.2013 folgten etwa 40 Interessierte der Einladung der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag in den Offenen Freizeittreff Rabet in Leipzig. Thema der Abendveranstaltung: Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund.

(Noch) Kein Thema in Sachsen? Weit gefehlt. Wie die Große Anfrage der Fraktion zeigte, hat bereits mehr als jede vierte Schule in Sachsen einen Anteil an Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund von mehr als fünf Prozent. Dabei gehen die genauen Werte weit auseinander – und Leipzig hat über alle Schularten hinweg die höchsten (bei den Grundschulen 61,6 Prozent, bei den Mittelschulen 45,4 Prozent, bei den Gymnasien 20,1 Prozent). Welche Schlüsse sind daraus zu ziehen, welche Maßnahmen sind angezeigt? Darüber sprach Annekathrin Giegengack, stellvertretende Vorsitzende und bildungspolitische Sprecherin der GRÜNEN-Landtagsfraktion, mit ihren Gästen.

Dass bereits Krippen und Kitas Bildungseinrichtungen sind und entsprechend als Chance für die Kleinsten gesehen werden müssen, war Ansatzpunkt von Ekin Deligöz, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN-Bundestagsfraktion. Die Botschaft müsse lauten: Wir wollen die Eltern nicht ersetzen, sondern ergänzen. Da Defizite, vor allem im sprachlichen Bereich, bei allen Kindern zunehmen, sei Elternarbeit ein wichtiges Anliegen, egal, ob ein Migrationshintergrund vorhanden sei oder nicht. Thomas Rechentin, Abteilungsleiter Grundsatzangelegenheiten des Bildungswesens im Sächsischen Staatsministerium für Kultus, wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass im Doppelhaushalt 2013/2014 erstmals Mittel bereitstehen, um gerade in Kindertageseinrichtungen in sozialen Brennpunkten mehr Personal einzustellen. Die dazugehörige Förderrichtlinie befinde sich im Abstimmungsprozess und werde aller Voraussicht nach bis Mitte 2013 in Kraft treten.

Kann und soll die Politik Einfluss auf die Zusammensetzung der Schülerschaft nehmen, um sogenannte „Brennpunktschulen“ zu vermeiden? Stojan Gugutschkow, Leiter des Referats Migration und Integration der Stadt Leipzig, plädierte dafür, vorhandene Steuerungsmöglichkeiten zu nutzen. Mit der Sächsischen Konzeption zur Integration von Migranten habe man eine gute Grundlage geschaffen, alleine bei der Umsetzung gäbe es Probleme. So sei die Zahl der Schulstandorte mit Vorbereitungsklassen in Leipzig nicht ausreichend und führe automatisch zu einer Konzentration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund an einzelnen Schulen. Auch Thomas Rechentin bezeichnete es als wünschenswert, mehr Standorte mit Vorbereitungsklassen aufzubauen, verwies jedoch auf die begrenzte Ressourcenlage – es gebe schlicht zu wenig Lehrer. Die bisherigen Maßnahmen zur sprachlichen Bildung zeigten zwar erste Erfolge. Unbefriedigend sei hingegen noch immer der vergleichsweise hohe Anteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund ohne Abschluss. Ekin Deligöz warnte davor, Kinder mit Blick auf die Zusammensetzung der Schülerschaft, durch die Stadt zu karren“ und künstlich zu „verpflanzen“. Das Knüpfen sozialer Kontakte müsse sowohl in der Schule als auch außerhalb im Wohnumfeld oder im Freizeitbereich, möglich sein. Sie empfahl Ganztagsschulen, den Einsatz von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern sowie die Einbeziehung externer Partner als konkrete Maßnahmen vor Ort. In Ulm, so ihr Beispiel, hätte es eine Schule mit einem hohen Migrantenanteil geschafft, alle Jugendlichen zu einem qualifizierenden Anschluss zu führen. Deligöz warb außerdem dafür, sich gerade den sogenannten „Brennpunktschulen“ zu widmen: „Wir brauchen die besten Schulen dort, wo wir die größten sozialen Disparitäten haben“.

Zur vergleichsweise geringen Partizipation von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Migrationshintergrund am Ausbildungssystem, zeigte sich Ekin Deligöz überzeugt, dass sich Stigmatisierung und Diskriminierung in der Ausbildungs-, aber auch bei der Wohnungs- und Jobsuche fortsetzten, so dass viele junge Menschen in „Warteschleifen“ landeten. Stojan Gugutschkow ergänzte, dass es z.T. nur unzureichendes Wissen über das deutsche Ausbildungssystem gebe oder bisher erworbene Qualifikationen der Bewerberinnen und Bewerber im Herkunftsland nicht vergleichbar seien und nicht angerechnet würden.

Vom Einsatz pädagogischen Personals mit Migrationshintergrund versprach sich Thomas Rechentin durchaus positive Effekte. Er verwies auf das Sächsische Berufsanerkennungsgesetz, welches sich derzeit im Anhörungsprozess befindet. Ekin Deligöz warnte davor, pädagogische Fachkräfte mit Migrationshintergrund als Allheilmittel zu stilisieren. Interkulturelle Kompetenz müsse als selbstverständlicher Bestandteil in allen Lehrpläne – auch in die Lehramtsausbildung – verankert werden. Viel versprach sie sich zudem von engagierter Elternarbeit, durch Elternbriefe oder auch durch Besuche.

Auf die abschließende Frage, was die Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund brauchen, forderte Stojan Gugutschkow, Vielfalt als Normalität zu akzeptieren und entsprechend zu würdigen. Thomas Rechentin erinnerte an den Anspruch des Kultusministeriums „Jeder zählt“ – mit guter konzeptioneller Aufstellung müsse man nun Defizite in der Praxis ausräumen. Ekin Deligöz warb schließlich für eine Kultur des Willkommens – für alle Kinder und deren Eltern und unabhängig von deren Herkunft.

Bildung und Nachhaltigkeit: Weltrettung durch Lernen?

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Leipzig lädt am 21.12.2012 um 19.30 Uhr, zur Podiumsdiskussion „Bildung und Nachhaltigkeit: Weltrettung durch Lernen?“ in die „Alte Schlosserei“ , Kurt-Eisner-Straße 66 ein.

Podiumsgäste sind

  • Prof. Dr. Niko Paech (Uni Oldenburg, Nachhaltigkeitsforscher),
  • Peter Unfried (TAZ-Chefreporter) und
  • Elke Urban (Vorstand Schulmuseum Leipzig),
  • Moderation Prof. Dr. Felix Ekardt (OB-Kandidat und Forschungsstelle Nachhaltigkeit und Klimapolitik).

Jeder ist für Bildung – auch im Leipziger OB-Wahlkampf, wo plötzlich die das Rathaus dominierenden Altparteien, die jahrelang die Schaffung von Kitaplätzen und energetisch vernünftigen Schulneubauten sowie Ansätze für ein besseres Schulessen beiseite geschoben haben, plötzlich kurz vor der Wahl auf diese Themen einschwenken. Aber was kann Bildung leisten für ein anderes Megathema: die Schaffung von Lebens- und Wirtschaftsweisen, die auch dann noch aufgehen, wenn sie dauerhaft und global praktiziert werden? Wenn mal wieder eine Klimakonferenz wie in Doha scheitert, hoffen viele für die Zukunft auf die Pädagogik und junge Menschen, die es künftig besser machen. Funktioniert das? Und was haben Schulessen und Energiesparschulen mit künftig nachhaltiger lebenden Menschen zu tun?”

Weltrettung durch Lernen Flyer

Bild im Flyer: D. Schütz /pixelio.de

„Liebe Freundinnen und Freunde“ oder auch: Bericht von meiner ersten Bundesdelegiertenkonferenz

Von Silvia Kunz, GRÜNE JUGEND Leipzig:

Schon am Freitag morgen fahren wir nach Hannover zur Bundesdelegiertenkonferenz. Aus ganz Deutschland kommen da ca. 800 Delegierte und einige Gäste hin. Gleich am Anfang fallen mir die ganzen Stände der Sponsor_innen auf. Viel zu viele um alle gleich zu überblicken, aber zum Glück wird mir bald erzählt, dass es bei der Sparkasse kostenlosen Kaffee gibt. Gleich gegenüber ist der Stand der Grünen Jugend, den ich auch gleich betreuen darf.

Dann ist es an der Zeit unsere Spitzenkandidat_innen Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Tritin ordentlich zu feiern. Klemens und ich haben das Glück einen der grünen „Grün gewinnt!“-Schals auf den Tisch gelegt zu bekommen. Da wir den Schal behalten wollen halten wir ihn natürlich auch brav an der richtigen Stelle nach oben – sieht ja auch gut aus auf den Bildern.

Nach einigen spannenden Workshops zu Europa, stimmen wir am Freitagabend noch zwei Anträge zu Außenpolitik ab (zu Syrien und zu Schutzverantwortung).

Früh am Samstagmorgen geht es dann los mit dem Tagesordnungspunkt Sozialpolitik. Schon bevor der Parteitag anfängt wird in vielen Zeitungen von einem klaren Linksruck der Grünen gesprochen. Bei den Abstimmungen zum Sozialpolitik-Leitantrag zeigt sich allerdings: alle weitergehenden Forderungen werden nicht übernommen. Besonders ärgert mich das beim Thema Sanktionen. Die BDK spricht sich für ein Sanktionsmoratorium aus und gegen eine komplette Abschaffung. Es freut mich allerdings, dass sich die Delegierten aus Leipzig darüber ziemlich einig sind: mit Sanktionen gibt es keine Jobvermittlung auf Augenhöhe. Deswegen enthalten wir uns auch überwiegend bei der Schussabstimmung.

Nach einigen weiteren Anträgen zur Sozialpolitik wird nachmittags der Vorstand und der Parteirat gewählt. Zwischendurch, nagele ich noch kurz die Forderung „Eine Schule für alle!“ an die Forderungswand. Es freut mich, dass Claudia mit 88% der Stimmen deutlich wiedergewählt wird und dass mit Gesine und Rasmus zwei von der Grünen Jugend in den Parteirat gewählt werden. Aus den ostdeutschen Bundesländern sitzen jetzt Katrin Göring-Eckardt und Annalena Baerbock im Parteirat.

Den Abend verbringen wir mit der Abstimmung über die 15 beliebtesten Anträge im Tagesordnungspunkt Verschiedenes. Carolins umstrittener Antrag (V-13, falls ihr ihn nachlesen möchtet) wird auf Platz 5 gewählt und dann abgelehnt. Das Thema „Beschneidung“ wird leider nur debattiert und dann nicht abgestimmt. Allerdings verabschieden wir einige gute Anträge zum Thema „Asylpolitik“.

Am Sonntagmorgen wird der neue Tagesordnungspunkt zum Endlagersuchgesetz behandelt.  Ein bisschen seltsam finde ich die Berichtserstattung über den Beschluss der BDK. Hier noch einmal die betreffenden Sätze aus dem Antrag: „Aus der Geschichte Gorlebens und aus den beiden Untersuchungsausschüssen ergibt sich für uns klar: Wir haben es in Gorleben mit einem geologisch ungeeigneten und politisch verbrannten Schwarzbau zu tun.“ und „Eine direkte oder indirekte Vorfestlegung darf es in einem solchen Prozess nicht geben.“. (Damit ihr euch selbst eine Meinung dazu bilden könnt, ob wir unsere Ideale damit verraten haben). Hier findet ihr den ganzen Beschluss:
http://www.gruene.de/fileadmin/user_upload/Beschluesse/Endlagersuche-Gorleben-Beschluss-BDK-11-2012.pdf

Außerdem folgten noch wichtige Anträge zum Thema „Europa“.

Zum Ende unterschreibe ich noch schnell, dass ich bis zum Mitgliederentscheid 2013 noch ein Neumitglied werben möchte (hat jemand Interesse?) und vollkommen übermüdet und voll mit neuen Eindrücken geht es wieder zurück nach Leipzig.

Falls ihr noch Rückfragen oder kritische Anmerkungen habt:
Aus Leipzig waren Delegiert: Alrun, Carolin, Daniel, Jens und Silvia
und als Ersatzdelegierte und Gäste waren dabei: Claudia, Holger und Jürgen
Mich könnt ihr erreichen unter silvia.kunz@gj-sachsen.de
Alle Anträge der BDK findet ihr unter:
http://www.gruene.de/partei/bdk-in-hannover.html

Über den Umgang mit direkter Demokratie

Was wir aus dem Volksbegehren gegen die Schulreform in Hamburg lernen müssen

Volksbegehren und Volksentscheide sind für eine lebendige Demokratie unverzichtbar. Deshalb stehen wir Grünen auch mit ganzem Herzen hinter diesen unmittelbaren Beteiligungsformen der Bürger an politischen Entscheidungsprozessen. Ohne diese Möglichkeit bestünde die Gefahr, dass sich Politik mehr und mehr als unabhängige Instanz weit ab von der Realität der Bürger entwickelt. Natürlich ist auch die repräsentative Parteiendemokratie richtig und an vielen Stellen notwendig, eine Mitwirkung von Bürgern an konkreten Diskussionsprozessen zu Sachfragen kann dieser jedoch nur gut tun und sie bereichern. Insofern findet sich zum Beispiel in unserem Sächsischen Landtagswahlprogramm von 2009 die Forderung, das notwendige Zulassungsquorum von 450.000 Unterstützerunterschriften für ein Volksbegehren zu senken. Nur eine Demokratie, die unmittelbare Bürgerbeteiligung als erwünschte Mitwirkung fördert, nimmt sich selbst und den Bürger wirklich ernst.
Nun kann man Bürgerbeteiligung aber nicht nur gut finden, wenn sie den eigenen politischen Zielen entgegen kommt. Lange haben wir Grüne nur die Erfahrung gekannt, mit einer außerparlamentarischen Opposition gemeinsame Wege zu gehen. Das Beispiel des Hamburger Volksentscheides hat uns zum ersten Mal in größerem Rahmen erfahren lassen, wie es ist, auf der anderen Seite zu stehen. Nun ist wichtig, wie wir damit umgehen und was wir aus der Niederlage, und ja, es ist eine Niederlage, lernen.
Eine völlig falsche Reaktion wäre jetzt, mit dem Finger auf die bösen „Gucci-Eltern“ zu zeigen und zu erklären, dass diese unsere edlen Ziele nur nicht erkannt hätten oder jedenfalls nur auf den eigenen Vorteil bedacht seien. Das greift einerseits inhaltlich viel zu kurz und beschädigt andererseits, was noch viel problematischer ist, die so wichtigen Institute des Volksbegehrens und des Volksentscheides. Wir müssen dem Bürger vertrauen, ihn gegebenenfalls aufklären, bilden und zur direkten Demokratie befähigen und wir müssen das Ergebnis eines Volksentscheides zunächst einmal als das nehmen, was es ist: Der unmittelbarste Ausdruck des Wählerwillens zu einer konkreten Sachfrage.
Wichtig für uns Grüne sollten nun zwei Punkte sein: Auf der einen Seite müssen wir uns inhaltlich noch einmal verstärkt mit der Bildungspolitik auseinander setzen. Zum Anderen sollten wir auf Volksentscheide „gegen“ unsere Politik vorbereitet sein und Strategien entwickeln, wie wir es schaffen, unsere Ziele und Wege so zu erklären, dass am Ende die besseren Argumente gewinnen. Hier ist es vor allem wichtig, sich inhaltlich mit den Ängsten und Anliegen der Volksbegehren auseinander zu setzen. Die Initiatoren, die sich an einer lebendigen Demokratie beteiligen wollen, zu diskreditieren, dürfte hingegen kein zielführender Weg sein.
Nur ein paar Worte zur Schulpolitik: Die Geschichte der Schule liest sich als eine Geschichte der Schulreformen. Ständige Veränderungen am System verunsichern aber Schüler, Eltern und Lehrer. Hinzu kommt, dass Schulreformen auf Grund der Gesetzgebungskompetenzen nur auf Länderebene möglich sind. Dies führt zusätzlich zu Verunsicherung. So kann schnell der Eindruck entstehen, die Schüler eines Landes sollen als Versuchskaninchen für neue pädagogische Ideen herhalten, die Schülern in anderen Ländern erspart bleiben. Diese Stimmungslage muss ein guter Bildungspolitiker ernst nehmen und durch Aufklärung und Fakten Ängste ausräumen.
Schaut man auf das Beispiel Hamburg, darf man auch nicht übersehen, dass viele gute Elemente der Schulreform bestehen bleiben, dass also die Bürger durchaus differenzieren können. Lediglich gegen die Verlängerung der Grundschulzeit (Primarschule) hat sich der Volksentscheid ausgesprochen. Nun mag es teilweise so sein, dass diese Ablehnung ihren Hintergrund in Besitzstandwahrung und Angst vor der sogenannten Unterschicht hat. Initiatoren und Unterstützer des Volksbegehrens allein darauf zu reduzieren, greift jedoch zu kurz. Vielmehr fließen vielleicht auch Erfahrungen der Eltern mit der derzeitigen Grundschule mit ein. Erfahrungen von großen und sehr heterogenen Klassen, mangelnder Binnendifferenzierung, fehlender Förderung leistungsstarker Schüler, Klassensituationen, in denen Grundschullehrer mit Problemlagen bestimmter Schüler allein gelassen werden und mit diesen nicht fertig werden. Echte Binnendifferenzierung und die Integration leistungsstärkster oder verhaltensauffälliger Schüler braucht ausreichend Personal, gute Weiterbildung von Lehrerinnen und Lehren sowie vor allem Aufmerksamkeit und Zeit. Welches Schild außen an der Schule hängt, ist hingegen vergleichsweise nebensächlich. Auch eine einfache Verlängerung der Grundschulzeit bei ähnlich schlechten Bedingungen kann keine Verbesserung bringen. Dass für die Reform dauerhaft auch ausreichende finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden, damit diese wirklich ein Erfolg werden kann und Verbesserungen für alle Schüler bringt, hat der Wähler den Reformern vielleicht einfach nicht geglaubt. Eine vor dem Hintergrund der Erfahrung chronischer Unterfinanzierung des Bildungssektors nachvollziehbare Skepsis.
Natürlich ist das klare Bekenntnis zum längeren gemeinsamen Lernen richtig und wichtig. Die Umsetzung darf jedoch kein schlechter Kompromiss sein. Hier bleibt zu überlegen, ob man nicht die politische Kraft statt für Schulreformen auf Länderebene, die selbst erfolgreich umgesetzt immer nur Stückwerk bleiben können, vielmehr dafür verwenden sollte, endlich alles daran zu setzen, eine Rahmengesetzgebung des Bundes für die Bildungspolitik zu schaffen. Ein von vielen Eltern und Bürgern bevorzugter Weg wäre ein Rahmen durch den Bund und gleichzeitig mehr Freiheit für jede einzelne Schule, diesen auszufüllen. Es steht jedoch zu befürchten, dass der Anspruch auf die allein gültige Wahrheit in Bildungsfragen auf Länderebene weiterhin das von einer Mehrheit der Bürger als richtig Erkannte verhindern wird. Und hier schließt sich der Kreis, denn hier drängt sich die Erkenntnis auf, dass der Bürger vielleicht doch schlauer ist, als mancher (Landes)Politiker glauben möchte.

Stefanie Gruner
(Sprecherin Bündnis90/Die Grünen, KV Leipzig)

Video zum Wahlkampffinale mit fehlender Erststimme

So hatte sich Jürgen Trittin seine Stimmabagabe zur Bundestagswahl nicht vorgestellt. Er konnte nämlich infolge extremer Heiserkeit seine Wahlkampfrede zur Abschlussveranstaltung des Bundestagswahlkampfes der Leipziger Grünen im ehrwürdigen Kabarett Pfeffermühle nicht halten. Für ihn sprang Monika Lazar unsere hiesige Spitzenkandidatin ein. Mit Kabaretteinlagen von Burkhard Damrau und Cello-Suiten, gespielt von Hendrik Zwiener, wurde die Veranstaltung zu einer unterhaltsamen politisch-kulturellen Kurzintervention.

Hier im Blog bereits angekündigt das Video:

Erststimme weg – dafür Zweitstimme am 27.09. für Die Grünen!

Erststimme weg – Zweitstimme Grüne(!)

Heute, Dienstag den 22.09.2009, fand im Kabarett Leipziger Pfeffermühle die Abschlussveranstaltung für den Bundestagswahlkampf der Grünen mit Jürgen Trittin statt. Begleitet wurde der Wahlkampfauftritt des bündnisgrünen Spitzenkandidaten von abwechselnden Beiträgen des Kabarettisten Burkhard Damrau und Hendrik Zwiener vom Gewandhausorchester am Violoncello.
Jürgen Trittin sprach jedoch nur kurz, da seine Stimme völlig heiser und damit unbrauchbar für eine vollständige Wahlkampfrede war. Er schloss seinen kurzen Redebeitrag mit den Worten: “Erststimme weg – Zweitstimme Grüne, denn…”, so beende er jede Wahlkampfrede: “…aus der Krise hilft nur GRÜN!”
Monika Lazar, die sächsische Spitzenkandidaten für Bündnis 90/Die Grünen, vollendete die Rede stellvertretend für Jürgen Trittin und stellte heraus, dass es am Sonntag auf jede Grüne Stimme ankomme um eine schwarz-gelbe Rolle rückwärts in Energie- und Sozialpolitik, insbesondere den Ausstieg aus dem Atomausstieg, zu verhindern. (Video folgt in Kürze)
Jürgen Kasek, Vorstandssprecher der Leipziger Grünen, der die Veranstaltung auch eröffnet hatte, verabschiedete die etwa achtzig Gäste und beendete die Reihe der Grünen Leipziger Wahlkampfveranstaltungen zu Bundestagswahl am 27. September offiziell.