Eindrücke vom Ostdeutschen Energieforum in Leipzig

von Anett Ludwig, (AK Umwelt- und Klimaschutz)

wie besprochen übermittle ich meine Eindrücke vom Ostdeutschen Energieforum, an dem ich am 10. Mai 2012 teilgenommen habe:

a) nur 3 Redner aus der Erneuerbaren Energien-Branche waren beteiligt (ENERCON [Wind], Q-Cells [Solar] und Solar World [Solar])

b) nur 2 Frauen als ReferentInnen

c) Kernaussage ist, dass Kohle- und Gaskraftwerke benötigt werden und die Planungen hierfür umgesetzt werden sollen

d) Braunkohle und Erdgas werden als “Brückentechnologie” gesehen

e) vor allem die IHK, Interessensgemeinschaft der UN-Verbände Ostdeutschland und Berlin sowie das BMWi  sprachen

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Ostdeutsches Energieforum in Leipzig

Zu Dokumentationszwecken veröffentlichen wir anlässlich des Ostdeutschen Energieforums in Leipzig eine Pressemitteilung des BUND Leipzig. Gemeinsam die Energiewende erreichen.


Pressemitteilung zum “Ostdeutschen Energieforum” am 10./11. Mai 2012 in Leipzig (CCL) des B.U.N.D. Leipzig

 Am 10.05. und 11.05. findet in Leipzig das Ostdeutsche Energieforum statt. Der Schirmherr Philipp Rösler (FDP) fordert: „Der Ausbau der erneuerbaren Energien muss effizienter erfolgen“, versteht hierunter aber „Investitionen in neue konventionelle Kraftwerke“ (beide Zitate aus seinem Grußwort). Der BUND Leipzig nimmt dies zum Anlass um die derzeitige Energiepolitik der Bundesregierung aufs Schärfste zu kritisieren.

Denn statt an dem verstärkten Ausbau der erneuerbaren Energien zu arbeiten und dafür die Weichen zu stellen, wird weiterhin auf den Klimakiller Kohle gesetzt und weiterhin soll auch in der Region Leipzig ganze Ortschaften einer Technologie von vorgestern weichen. Braunkohle ist als Rohstoff zu wertvoll um einfach verfeuert zu werden. Auch wenn die Prozesse zur stofflichen Verwertung von Kohle die Forschungsphase noch nicht abgeschlossen haben, werden durch die konventionelle Verstromung kostbarste Ressourcen zu lasten des Klimas verschleudert.

Verwunderung ruft auch hervor, dass auf dem Ostdeutschen Energieforum kein Vertreter der Erneuerbaren Energien als Referent dabei ist. Die Ausrichtung ist einseitig und beweißt die fehlende Innovations- und Vorstellungskraft der Regierung.

Im Klartext bedeutet die derzeitige Energiepolitik folgendes:

  • Kohleverstromung für viele weitere Jahrzehnte: Da Großkraftwerke viele Volllaststunden benötigen, um rentabel zu sein, bedeutet dies zwangsläufig: Kappung der erneuerbaren Energien und somit Anheizung des Klimawandels.
  • Dass durch CCS (Abscheidung und unterirdische Verpressung des CO2) Kohlekraftwerke “klimafreundlich” würden, ist eine reine und absolut fragwürdige Behauptung. Dadurch, dass interessierte Kreise sie unentwegt wiederholen, wird sie nicht zur Wahrheit. Tatsache ist: Bei Anwendung der CCS-Technik muss für die Erzeugung der gleichen Strommenge beträchtlich mehr Kohle verfeuert werden, was bedeutet: mehr Kraftwerke, mehr Tagebaue, mehr Wasserverbrauch und weitere Umweltschäden. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit führt die unterirdische Verpressung des CO2 zur Kontamination des Grundwassers.

Der BUND Leipzig fordert:

1. Deckung des Energiebedarfs zunehmend und letztlich vollständig durch erneuerbare Energien (Stromerzeugung zu 100% aus regenerativen Energien im Jahr 2050).

2. Reduktion des Energieverbrauchs bis zum Jahre 2030 um 50%, unter anderem durch Energieeinsparung bei Altbausanierung, sparsame Fahrzeuge sowie effizientere Stromnutzung.

3. Senken der Treibhausgasemissionen, insbesondere der CO2-Emissionen, bis zum Jahr 2020 um 40% und bis zum Jahr 2050 um mehr als 80%.

3. Änderung der Gesetze zur besseren Förderung erneuerbarer Energien und der Energieeffizienz.

4. Sofortiger Ausstieg aus der Atomenergie und ein Auslaufen der Stromerzeugung durch Kohlekraftwerke,

um hohe atomare Risiken zu minimieren und ehrgeizige Klimaschutzziele einzuhalten.

Grüne, Bürgerinitiativen gegen CO2-Verpressung und weitere Gruppierungen werden am 10.5. ab   8.00 Uhr vor dem CongressCentrumLeipzig (CCL) für eine Weichenstellung der Energiepolitik in diese Richtung demonstrieren.

 Am Abend des 10.5. wird eingeladen zu einer öffentliche Diskussionsveranstaltung zum Thema  

“Energiewende oder CCS-System?” Beginn: 19.30 Uhr, Ort: Restaurant “Zum Kartoffelsack”,

Möckernscher Weg 1 (Nähe CCL)

 

 

Braunkohleverstromung – Brauchen wir das?

Seminar Braunkohleverstromung – von und mit Christian Breyer;

In seinem Seminar stellte Christian Breyer, am 06.04.2011, die Braunkohleverstromung vor und ging hierbei besonders auf die (energie)-wirtschaftliche Bedeutung dieses umstrittenen Energieträgers ein. Neben der finanziellen Ökonomie wurden auch die Emissionen der Braunkohleverstromung und deren Wirkung bedacht. Seine umfangreiche Präsentation zum Seminar stellen wir an dieser Stelle allen Interessierten zur Verfügung:

110406_Braunkohle_Gruene_UniLeipzig_v2_final.pdf
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Zur Person:
Christian Breyer beschäftigt sich bei Q-Cells, dem internationalen Photovoltaik- Unternehmen aus dem Solar Valley nördlich von Leipzig, mit den Konsequenzen einer vermehrten Elektrizitätsbereitstellung durch Photovoltaik auf die Energiemärkte. Dem Physiker und Ingenieur der Energiesystemtechnik ist dabei der Blick auf die ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit besonders wichtig.

Ein Blick von Leipzig in die Welt

„Braunkohleverstromung-Brauchen wir das?“ ein Seminar mit Christian Breyer

Im Rahmen ihrer Energiereihe hat der AK Umwelt und Klimaschutz der Grünen Leipzig am Mittwoch, den 06. April 2011 zum Seminar „Braunkohleverstromung – Brauchen wir das?“ in die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Leipzig eingeladen. Redner war Christian Breyer – Mitarbeiter beim internationalen Photovoltaikunternehmen Q-Cells mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen – der seit Jahren in der Energiewirtschaft tätig ist und sich vor allem mit den Konsequenzen einer vermehrten Elektrizitätsbereitstellung durch Photovoltaik auf die Energiemärkte beschäftigt.
Zunächst führte Breyer die 14 Interessierten in die Thematik Braunkohle ein. Braunkohle hat im Vergleich zu anderen Energieträgern einen hohen Wasseranteil, jedoch einen niedrigen, spezifischen Energiegehalt, weshalb es sehr aufwendig ist diesen zu fördern. Deutschland ist mit 169 Mt Spitzenreiter bei der Nutzung von Braunkohle, gefolgt von China und der Türkei. Größtes Exportland hingegen ist Australien. Die deutschen Braunkohleförderstätten befinden sich im Rheinland und in der Lausitz. Schlusslicht bildet das mitteldeutsche Braunkohlerevier.
Angesichts einer weltweiten Zunahme des Energiebedarfs und der Herausforderungen des Klimawandels ging der studierte Physiker und Ingenieur im weiteren Verlauf auf Szenarien wie Peak-Oil / Peak-Gas / Peak-Coal / Peak-Uranium ein und auf die zwingende Restrukturierung des globalen Energieversorgungsystems, die Wissenschaftler schon in den 1930er Jahren ausmachten.
Vor allem den Nutzen der Braunkohle – als heimischer Energieträger, zur Sicherung von Arbeitsplätzen, seine Funktion als Grundlastkraftwerk und zur kostengünstigen Energieversorgung – galt es zu hinterfragen. Braunkohle trug 2009 gut 25% am Bruttostromverbrauch Deutschlands bei. Zwar sind in Deutschland 25.000 Arbeitsplätze in der Braunkohlewirtschaft angesiedelt, doch kommt allein die Windenergie mit einem Anteil von 6,6% am Strommix 2009 auf gut 87.000 Arbeitsplätze. Mehr als das Dreifache.
Auch revidierte der Referent das Argument der kostengünstigen Stromerzeugung aus der Braunkohleverstromung, bei der weder die sozialen Kosten der CO2-Emissionen noch der CCS-Technologie mit eingerechnet werden. In diesem Falle würden die Stromgestehungskosten bei gut 10-21EuroCt/kWh liegen; finanzielle Subventionen und Krankheiten noch gar nicht mit einberechnet. Denn auch bei der Braunkohleförderung werden radioaktive Substanzen frei wie Radon, Thorium und Uran. Auch vor den Toren Leipzigs im Braunkohlekraftwerk Lippendorf.
Mit Blick auf die Endlichkeit fossiler Energieträger wie Braunkohle und der damit verbundenen Umweltbelastungen und gesundheitlichen Schäden zeigte Breyer im letzten Teil seines Seminars Alternativen für eine nachhaltige Wirtschaftlichkeit und lokale Wertschöpfung auf, die durch erneuerbare Energien gedeckt werden können. Das Bundesland Sachsen – bis heute Schlusslicht im deutschlandweiten Ausbau erneuerbarer Energien – hätte hierfür ideale Standortbedingungen; vor allem für die Nutzung von Solar- und Windenergie.

„Unsere Enkel werden uns
bestimmt die Schuld geben,
wenn sie herausfinden, dass
wir die Realität des Menschen
gemachten Klimawandels
verstanden, aber versagt haben
irgendetwas dagegen zu
unternehmen.“

Naomi Oreskes
Science, 306, 1686 (2004)