Grünes Blog Leipzig

Grüne Bilder - CSD-DEMO & Straßenfest 2010

In Leipzig gibt es schon seit vielen Jahren einen CSD, der nicht nur Spaß macht, sondern vor allem in den Köpfen etwas bewegen will und dabei zu den Wurzeln der Lesben-/Schwulen und Transgenderbewegung geht, um möglichst wahrhaftig an den Stonewall-Aufruhr in der Christopher Street zu erinnern.

"Homophobie ist heilbar", das Motto des Leipziger CSD ist unverändert aktuell und hat im letzten Jahr - auch überregional - viel Zuspruch erfahren. Das Motto ist Ausdruck unserer Überzeugung, dass Vorurteile abgebaut und Zivilcourage zur Verhinderung von Übergriffen und Diskriminierungen gefördert werden können.
Alle die uns hierbei unterstützen wollen, sind herzlichst eingeladen an unserer großen CSD-Demo teilzunehmen.

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Homophobie ist heilbar – dazu braucht es alle!

von Norma Tiedemann  GRÜNE JUGEND Leipzig

Mit seinen heroischen Männlichkeitsidealen sitzen im Sport und gerade im Fußball die Vorurteile tief – gegen Frauen, Homosexuelle und alle, die das Klischee des eisenharten Siegertyps nicht erfüllen möchten oder können. Aus Angst vor dem Spott und der befürchteten Herabwürdigung durch TeamkollegInnen und Öffentlichkeit, trauen sich die meisten Betroffenen nicht mit der Wahrheit heraus – Outings sind also im (Profi)Fußball so gut wie nicht existent.

Was sich ändern müsste, um den Leidensdruck von den Betroffenen zu nehmen und Fußball endlich zu einer Angelegenheit zu machen, an der alle gleichberechtigt teilnehmen können, war Thema bei unsere Podiumsdiskussion im Neuen Rathaus am 12. Juli 2010 im Rahmen des diesjährigen CSD in Leipzig.

Mit rund 50 Interessierten und drei ExpertInnen gingen wir einen Tag nach dem Finale der Fußball-WM der Männer der Frage nach, welchen Stand die offiziellen Bemühungen bisher erreicht haben, wie tolerant unsere Gesellschaft inzwischen tatsächlich ist im Umgang mit Homosexualität und wie es weitergehen kann auf den unterschiedlichen Ebenen.

Tanja Walter-Ahrens, Dieter Bott und der Präsident des Leipziger Fußballverbandes Heiko Sander erörterten das Thema sowohl aus soziologischer Sicht, als auch im Hinblick auf die praktischen Implikationen.

Ein hoffnungsfroh stimmendes Resultat des Abends war zumindest die zunehmende Bereitschaft des DFB sich dem Thema zu widmen und an einer Lösung zu arbeiten. Auch wenn Dieter Bott einwarf, dass sich hinter diesem „Gutmenschentum“ lediglich das Schielen auf eine neue, kaufkräftige Zielgruppe verberge.

Der Wille, ob nun mit oder ohne fragwürdige Motivation, ist also vorhanden, nur bei der Umsetzung stolpern die Verantwortlichen noch über ihre Hilflosigkeit diesbezüglich und die scheinbar schwierige Kommunikation. Verbandsintern verabschieden die höchsten Stellen gerne mal Aktionsprogramme und Leitfäden - nur komme bei den Vereinen auf Landes-, Kreis- und Bezirksebene kaum etwas davon an, beklagte Heiko Sander. Er wisse nicht, wie er den SpielerInnen klar machen solle, dass sie von seiner Seite im Falle eines Outings volle Unterstützung erhielten, die Angst sei einfach zu groß.

Über die bloßen Formalia und nichtssagenden symbolischen Gesten muss es also endlich in einer aktiven Weise hinausgehen: Ein Aufgabenfeld in dem sich die Delegierte der European Gay and Lesbian Sport Federation Tanja Walther-Ahrens stark macht. Sie begrüßt die Beschlüsse, fordert aber von den Verbänden eine größere Offenheit für konkrete Projekte.

Ob auf dem Spielplatz oder in der Straßenbahn- auch im Alltag – mahnte Dieter Bott an, grassierten homophobe Sprüche schon bei den Kleinsten. Hier trägt das Verhalten jedes/jeder Einzelnen als rahmengebende Instanz für den sportlichen Wettkampf zu einem verständnisvolleren Umgang miteinander bei. Fußball kann eben nicht frei, offen und vielfältig sein, solange es die ihn umgebende Gesellschaft nicht ist.

In diesem Sinne hoffen wir, dass sich sowohl im Fußball als auch in den Köpfen weiterhin einiges bewegt und bedanken uns zudem bei unseren PodiumsteilnehmerInnen, dem Publikum, den MitorganisatorInnen und HelferInnen: Das Referat für Gleichstellung und Lebensweisenpolitik und das Sportreferat des StudentInnenRates der Universität Leipzig in Kooperation mit dem Referat für Gleichstellung für Frau und Mann, die Stadt Leipzig sowie das Fussball Fanprojekt Leipzig.

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