Grünes Blog Leipzig

Der Rote Stern Leipzig vs. Oschatz - das Sportgerichtsurteil

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Das Urteil in einem Verfahren, dass deutschlandweit Bedeutung erlangen könnte, wurde gefällt. Beide Vereine bekommen null Punkte.

Was geschah

Am 26.05. sollte das Nachholspiel der Bezirksliga Leipzig zwischen dem Roten Stern Leipzig (RSL) und dem FSV Oschatz stattfinden. Dazu kam es jedoch nicht. Bereits im Vorfeld hatte der RSL angekündigt einem Spieler des FSV Oschatz den Zutritt zum Stadion zu verwehren. Dies wusste nicht nur der Gästeverein, sondern auch der Leipziger Fußballverband. Am besagten Tag wurde dem Spieler der Zutritt mit Hinweis auf die Hausordnung (Antidiskriminierungsregel) verwehrt, weil gegen ihn eine Reihe von Hinweisen vorliegen, die den Verdacht erhärten, dass es sich um eine Person mit rechtsradikalem Hintergrund handelt. Der FSV Oschatz beschloss daraufhin Solidarität zu zeigen und nicht zum Spiel anzutreten. Was zumindest bemerkenswert ist.

Das Urteil

Das Sportgericht hat nunmehr geurteilt und beide Vereine werden bestraft. Der FSV Oschatz weil er nicht angetreten ist. Grundlage dafür ist §60 der Spielordnung des Leipziger Fußballverbandes, nach der nicht unterschieden wird warum ein Verein nicht antritt.

Dass der Rote Stern keine Punkte erhält hängt damit zusammen, dass das Gericht mit dem Hinweis urteilte, dass die Berufungsinstanz die Sachlage anders bewerten könnte. Zwar bestehe die Möglichkeit Personen aus einem Stadion zu verbannen, von dem Wort -Personen- seien aber Spieler eines Vereins nicht erfasst. Dies heißt nichts anderes, dass Stadion- und Zutrittsverbote möglich sind aber eben nicht gegen Spieler. Dabei bleibt allerdings schleierhaft, wie das Gericht die einschränkende Auslegung des Wortes Personen herleitet.

Die Bedeutung

Die Bedeutung des Falles kann nicht hoch genug bewertet werden. Zum ersten Mal hat ein Verein ernst gemacht und die vom DFB und UEFA geforderte Auseinandersetzung mit rechtem Gedankengut konsequent bis zu Ende geführt. Die Forderung gegen Diskriminierung und rechtsradikales Gedankengut vorzugehen ist dabei auch in der Spielordnung des Leipziger Fußballverbandes und der Stadionverbotsordnung enthalten. Das man dabei möglicherweise auch über das Ziel hinausgeschossen ist, scheint bei der Schwierigkeit des Falles unumgänglich und wirft eine grundsätzliche Frage auf: Wie ernst meinen es die Sportverbände bei der Auseinandersetzung mit Rechts und ab wann ist die Schwelle erreicht, dass Spieler ausgeschlossen werden können?
Dem RSL kommt dabei eine Vorreiterrolle wider Willen zu. Regelmäßig ist der Verein, der sich gezielt gegen alle Arten der Diskriminierung wendet im Leipziger Umland den Angriffen von Personen und Gruppen mit menschenfeindlicher Einstellung ausgesetzt. Sei es in Mügeln, Oschatz, Brandis, Schkeuditz oder Schildau. Dabei dürfte das Problem in ganz Deutschland vorhanden sein. Mit seinem erstinstanzlichen Urteil hat das Sportgericht nunmehr deutlich gemacht: Einen Ausschluss von Spielern, wobei die Schwere der Vorwürfe unerheblich ist, kann es nicht geben.

Keine Trennung von Sport und Politik

Dabei geht es auch um die Frage inwieweit Sport und Politik voneinander zu trennen sind. Die Forderung dies zu tun und damit dem RSL zum Teil die Schuld an den Übergriffen zu geben, ist in vielen Foren zu lesen. Dabei hat es diese Trennung nie gegeben. Sportveranstaltungen und insbesondere Fußballveranstaltungen sind immer auch Abbilder der gesellschaftlichen Verhältnisse.
Die Vereine tragen dabei auch eine Verantwortung über den Sport hinaus, sollen sie doch auch eintreten für Toleranz und ein friedliches Miteinander. Eben genau das, was der RSL macht, wenn er sich dezidiert gegen alle Auswüchse der Menschenfeindlichkeit wendet. Dafür wurde RSL, was in der Debatte gern übersehen wird, bereits mehrfach ausgezeichnet.

Darüber hinaus sollte das Eintreten gegen Menschenfeindlichkeit in einer Demokratie selbstverständlich sein. Wer daher behauptet der Rote Stern sei an den Vorfällen zum Teil durch das offenkundige eintreten gegen Rechts zumindest als Provokateur mitverantwortlich, beweist ein merkwürdiges demokratisches Verständnis und muss sich im Gegenzug den Vorwurf gefallen lassen, an der Verharmlosung des nicht nur in Sachsen virulenten Problems der Menschenfeindlichkeit mitzuwirken. Dies klärt freilich noch nicht die Frage, ob der RSL im Fall Oschatz tatsächlich berechtigt war, einen Spieler auszuschließen. Aber den Vorwurf Fehler gemacht zu haben, muss sich auch der Leipziger Fußballverband und einen Großteil der Vereine gefallen lassen, die gegen rechte Auswüchse nicht oder nicht entschieden genug vorgegangen sind.

So bleibt zu hoffen, dass die nunmehr angestoßene Diskussion offen und vor allem sachlich geführt wird, um letztlich wieder einen sauberen Sport zu haben: Ja zum Fußball, nein zur Menschenfeindlichkeit.

 

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Roter Stern Leipzig, Einschätzungen und Perspektiven nach den Ereignissen des Wochenendes

von Jürgen Kasek

Am Wochenende kam es in der Bezirksliga Sachsen zu gewalttätigen Auseinandersetzungen von erheblichen Umfang als über 50, zum Teil vermummte Neonazis und Hooligans, Spieler und Fans des Fussballklubs Roter Stern Leipzig angriffen. Lesenswerte Zusammenfassungen gibt es unter anderen auf:

Indymedia: zum Beitrag

Leipziger Internetzeitung: zum Beitrag

Roter Stern Leipzig: zum Beitrag

11 Freunde: zum Beitrag


Der sächsische Fussball:

Das die Ereignisse auch für den sächsischen Fussball, der leider berüchtigt ist für Zwischenfälle, eine neue Qualität darstellt, dürfte inzwischen bekannt sein. Entsprechend groß ist das mediale Interesse. Presseanfragen aus allen Teilen Deutschlands sind die Folge, was insofern auch zu begrüßen ist, da es hilft die Problematik wieder in den Fokus der Öffentlichkeit zu bringen.

Ich habe heute Bilder zu den Ereignissen gesehen und muss sagen, dass es mich, obwohl ich für mich in Anspruch nehme, einiges gewohnt zu sein, erschüttert hat. Teile des Materials zeigen den gewalttätigen Mob aus allernächster Nähe, bewaffnet mit Baseballschläger, Zaunslatten mit Nägeln, Pflastersteinen und ähnlichem. Die ersten Personen aus der Tätergruppe wurden inzwischen identifiziert, siehe dazu auch http://de.indymedia.org

Mehrere Personen wurden leicht verletzt, 3 Personen tragen Schwere Verletzungen.

Dabei musste man davon ausgehen, dass es irgendwann zu einem Vorfall dieser Größenordnung kommt Bereits bei bisherigen Auswärtsspielen wurden die Sterne immer wieder Opfer von Pöbeleien, Anfeindungen und versuchten Attacken.

Beim Blick auf die nächsten Auswärtsspiele sind weitere Vorkommnisse der genannten Art nicht nur nicht auszuschließen sondern naheliegend.

Es scheint so zu sein, dass der RSL, als genuin antirassistischer Fussballklub, Projektionsfläche für eine Vielzahl von gewaltbereiten Chaoten geworden ist, in einem Teil von Sachsen, indem die Rechten längst Hegemonialmacht sind.

Die in der Diskussion immer wieder benannten Angstzonen sind die Realität und Kennzeichnen das Versagen einer Landesregierung, die sich des Problems nach wie vor nur zögerlich annimmt.

Erwartbare Gewaltchoreografie:

Auch unter dem Gesichtspunkt Fussball war zu erwarten, dass unabhängig von dem politischen Hintergrund der Auseinandersetzungen, es irgendwann zu solchen Geschehnissen kommen würde. Bereits 2006 hat der Fanforscher Pilz darauf hingewiesen, dass sich die gewalttätigen Auseinandersetzungen zunehmend in untere Ligen verlagern und damit aus dem Fokus der Öffentlichkeit. Ein entschiedenes Handeln seitens der Legislative und Exekutive lässt bis heute auf sich warten.

Und besonders bedenklich erscheint in diesem Licht auch, dass der Angriff vorher bekannt war. Sowohl der FSV Brandis als auch die Polizei wussten was am vergangenen Sonnabend drohte. Das haben  die Beteiligten inzwischen zugegeben.

In einem Fussballforum im Internet finden sich Vorahnungen und nebulöse Andeutungen. Dennoch war offensichtlich niemand gewillt sich im Vorfeld des Problems anzunehmen.

Das Problem heißt Neonazismus

Auch wenn nun die Polizei verstärkt in unteren Ligen, zumindest bei entsprechender Gefahrenprognose vor Ort sein sollte, wird dadurch das Problem eines virulenten Rechtsextremismus nicht gelöst. Beispielhaft sei erwähnt, dass es am Wochenende allein im Bereich der Polizeidirektion Westsachsen zu mindestens 3 Angriffen oder versuchten Angriffen auf Nichtrechte durch Neonazis kam.

Schwarz- Gelb, eine Koalition des Schreckens

Dass diese Entwicklung bedingt durch die neue Regierung sowohl auf Landes-, als auch auf Bundesebene an Dynamik gewinnen könnte sei noch erwähnt. Betrachtet man den Koalitionsvertrag auf beiden Ebenen, der nicht nur die Mittel zur Bekämpfung des Rechtsextremismus in Frage stellt und Rechts und Links, trotz eindeutig belegbarer Unterschiede im Bereich Quantität und Qualität gleichstellt, darf jedem halbwegs gebildeten Menschen Angst und Bange werden. Das zudem die Entsolidarisierung der Gesellschaft, lesenswert der Kommentar von Torsten Denkler in der SZ weiter vorangetrieben wird, wird zum Katalysator für eine Entwicklung an dessen Ende ein ausuferndes Krebsgeschwür der Menschenfeindlichkeit und damit der Abwertung von spezifischen Gruppen steht, welches zum manifesten Problem eines freiheitlich demokratischen Staates werden könnte und wird.

Und letztlich noch ein Wort zur Kriminalstatistik: Nicht die Anzahl von Delikten hat zugenommen, die ist insgesamt sogar rückläufig, aber das Ausmaß an angewendeter Gewalt. Auch das hat der Sonnabend in beängstigender Art und Weise belegt. Das vor diesem Hintergrund, wie auch nach den Krawallen in Hamburg am 1. Mai des vergangenen Jahres,  irgendwann die ersten Toten bei diesen Auseinandersetzungen folgen werden, erscheint dabei nur noch eine Frage von Monaten zu sein.

Was nun zu tun ist

Zunächst einmal gilt es, die Geschehnisse auszuwerten, die Versäumnisse klar zu benennen und die Täter zu stellen.

Dabei sollten auch der Sächsische Fussballverband und der DFB miteinbezogen werden. Das Problem der mangelnden Fansozialarbeit muss erneut beleuchtet werden, auch in Leipzig. Von der Polizei ist eine kritische Aufarbeitung und eine zukünftiges Sicherheitskonzept zu erwarten. Die Justiz ist gefordert, die Täter schnell und konsequent zu bestrafen.

Vor allem muss das Hauptaugenmerk auf den Bereich der Prävention gelegt werden. Die Mittel zur Stärkung der Zivilgesellschaft müssen erhöht, die Fansozialarbeit muss intensiviert, die Sensibilisierung von Vereinen muss vorangetrieben werden. Dabei ist es zwingend notwendig in eine breite Debatte über die Ursachen dieser Entwicklung einzusteigen.

Dann und nur dann, werden die Medien irgendwann nicht den ersten Toten beweinen müssen.

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PM von RSL99: Zum Verhalten der Polizei in Brandis

Pressemitteilung vom 25.10.2009

Beim Auswärtsspiel des Roten Stern Leipzig (RSL) am 24.10.2009 beim FSV Brandis wurden Spieler, Verantwortliche und Fans von etwa 50 Neonazis angegriffen. Dabei wurden 3 RSL-Fans schwer verletzt. Zu den Vorfällen und der Arbeit der eingesetzten Polizeibeamten erklärt Claudia Krobitzsch, Presseverantwortliche des Roten Stern Leipzig:

„Es muss an dieser Stelle noch einmal mit allem Nachdruck erklärt werden, dass die Polizei völlig unvorbereitet auf die stattgefundenen Ereignisse reagiert hat. Zum Zeitpunkt des Neonazi-Angriffs waren keine Beamten auf dem Sportgelände. Erst nachdem die Angreifer zusehends in die Defensive geraten waren, sah man ungefähr 8 Beamte auf dem Sportplatz, die gemeinsam mit den Fans des RSL versuchten, die Lage zu deeskalieren. Somit hat die Polizei weder die Neonazis von den Fußballzuschauern getrennt, noch den Angriff verhindert oder das Stadion geräumt. Sie war anfänglich schlichtweg nicht präsent und während der Auseinandersetzung völlig überfordert.

Zudem entspricht die von der Polizei getroffene Aussage, dass der Torhüter des RSL verletzt sei, in keinster Weise den Tatsachen. Dies ist ein weiteres Indiz dafür, dass die Berichterstattung der Polizei mangelhaft ist.

Erst nach einer halben Stunde trafen weitere Polizeibeamte am Ort des Geschehens ein. Die Neonazis hatten sich zu diesem Zeitpunkt längst vom Sportplatz entfernt.

Wenn es zu Angriffen auf Beamte gekommen sein soll, dann sind diese nicht von RSL-Fans ausgegangen, da diese über die spärlich eingesetzten Polizeikräfte eher froh waren.“

Der Verein Roter Stern Leipzig ´99 e.V. hofft, dass die polizeilichen Ermittlungen zum Ergreifen der betreffenden Neonazis beitragen werden.

Roter Stern Leipzig ´99 e.V.

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PM zum Naziangriff in Brandis auf RSL99; Kein Einzelfall, aber ein trauriger Höhepunkt

„Kein Einzelfall, aber ein trauriger Höhepunkt“

Zu den Vorfällen am Rande des Bezirksligaspiels FSV Brandis gegen Roter Stern Leipzig erklären Miro Jennerjahn, demokratiepolitischer Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis90/ Die Grünen Sachsen und Monika Lazar, Bundestagsabgeordnete und Sprecherin für Strategien gegen Rechtsextremismus:

Die Geschehnisse in Brandis sind in mehrfacher Hinsicht schockierend. Zum einen wird damit eine neue Stufe der Eskalation von Seiten neonazistischer Kräfte in Sachsen dokumentiert, zum anderen ist es skandalös, dass die Polizei trotz Vorwarnung offensichtlich nicht in der Lage ist, die Sicherheit zu gewährleisten. Sollte sich der Verdacht bestätigen, dass die Polizei vorab über einen möglichen Angriff informiert war, müssen Konsequenzen gezogen werden.

Der offenbar gezielte Angriff von Neonazis und Hooligans auf Spieler und Fans von Roter Stern Leipzig ist ein erneutes Zeichen für das erhebliche Gewaltpotential der neonazistischen Szene in Sachsen. Wir fordern die sächsische Staatsregierung auf, sich dem Problem des Neonazismus in Sachsen offensiv zu stellen.

Die Gewährleistung der Sicherheit für alle gesellschaftlichen Gruppen ist die Grundlage einer funktionierenden Demokratie. Die Vorfälle von Brandis bezeugen das Problem des neonazistischen Potentials in Sachsen. Dieses ist auch im zunehmenden Maße eine Gefahr für die Demokratie. Dies gilt umso mehr, als dass Brandis als Beispiel für eine Vielzahl von ähnlichen Vorkommnissen im letzten Halbjahr in Sachsen gelten kann.

Wir fordern daher eine umfangreiche Aufarbeitung der Vorfälle. Die Fördergelder für Projekte zur Stärkung der Zivilgesellschaft müssen gesichert und angehoben werden. Wir fordern zudem den Sächsischen Fußballverband auf, daraus Konsequenzen zu ziehen und sich dem Problem endlich energischer zu stellen.

Jennerjahn kündigte zudem an, dass der Vorfall von Brandis ein parlamentarisches Nachspiel im Landtag haben wird.

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Frustrierte Nazis starten Gewaltattacke auf Roter Stern Leipzig

Pressemitteilung

Beim Auswärtsspiel des Roten Stern Leipzig (RSL) am 24.10.2009 beim FSV Brandis kam es zu einem gewalttätigen Angriff von ca. 50 Personen gegenüber den Spielern, Verantwortlichen und Fans des RSL. Die Angreifer sind dem neonazistischen Spektrum zuzuordnen.

Auf Nachfrage schilderten Verantwortliche des FSV Brandis und eingesetzte Polizisten, dass sie bereits im Vorfeld Erkenntnisse hatten, dass Nazis zum Spiel anreisen wollten. Dennoch konnten die Vereinsordner und die wenigen anwesenden Polizisten nicht die Sicherheit gewährleisten. Im Vorfeld der Partie stattgefundene Gespräche zwischen dem FSV Brandis und der Polizei führten nicht zu einer Aufstockung der Einsatzkräfte.

Kurz vor Spielbeginn wurden Fans des RSL durch Lautsprecherdurchsagen gebeten, eine Seite des Sportplatzes zu räumen, weil „die Dummen noch kommen“. Auffällig ist in diesem Zusammenhang, dass ein Brandiser Ordner der angreifenden Personengruppe einen separaten Eingang öffnete, sich daraufhin vermummte und an den Auseinandersetzungen auf Seiten der Nazis teilnahm.

Nach dem unkontrollierten Betreten des Sportplatzes bewaffneten sich die Angreifenden mit Eisenstangen, Steinen und Holzlatten, die auf dem Sportplatz deponiert waren. Dieser Umstand lässt auf einen geplanten Angriff schließen.

Für eine vorzeitige Planung der Aktion spricht zusätzlich die Teilnahme von einschlägig bekannten Neonazi-Aktivisten. Die politische Motivation des Angriffes ist durch die Rufe der Angreifer „Scheiß Zecken“ und „Scheiß Rote“ belegt.

Mit Anpfiff des Spiels warfen die zum Teil vermummten Personen pyrotechnische Erzeugnisse, Steine und zusätzlich eine Flasche, die mutmaßlich mit einer brennbaren Flüssigkeit gefüllt war, in die Reihen der RSL-ZuschauerInnen.

Daraufhin kam es zu Jagdszenen, sofort wurden wahllos die Fans des Roten Sterns mit den bereitgestellten Gegenständen angegriffen. Die Fans wichen zurück, wurden aber durch die baulichen Gegebenheiten des Sportplatzes in die Enge gedrängt. Man musste sich bis zum Eintreffen der Polizei selbst schützen und erwehrte sich den Angriffen. Im Zuge der Angriffe wurden drei Personen schwer, und weitere Personen verletzt. Zur Zeit werden die Schwerverletzten in Krankenhäusern behandelt.

Durch den Neonaziangriff wurde die Partie nach zwei Minuten abgebrochen.

Trotz der Erkenntnisse waren unverständlicher Weise nur wenige Polizeibeamte vor Ort. Erst nach einer halben Stunde kamen weitere Beamte zum Ort des Geschehens.

Die angreifenden Neonazis zogen sich nach ihrem Angriff in den Ort zurück. Bereits bei Ankunft in Brandis konnten mehrere Neonazis vor einem Lokal auf dem Marktplatz ausgemacht werden.

Wir gehen davon aus, dass die Polizei die zahlreichen Hinweise über den Aufenthaltsort der Angreifer im Nachgang der Geschehnisse zum Anlass genommen hat, um die Identitäten festzustellen. Weiterhin erhoffen wir uns, dass - wie auf Nachfrage bestätigt-, die Vereinsverantwortlichen von Brandis, die ihnen bekannten Personen aus der angreifenden Gruppe identifizieren. Wir fragen uns, warum weder Polizei noch der platzbauende Verein für die Sicherheit während der Partie Sorge tragen konnten.

Roter Stern Leipzig ´99 e.V.

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