Das Märchen von der Sonne

von Prof. Felix Ekardt

Klimaskeptiker bestreiten, dass es einen nennenswerten menschlich beeinflussten und in seinen Folgen verheerenden Klimawandel gibt. Sie stützen diese These in aller Regel darauf, dass sie die Berechnungen zu Treibhausgasemissionen und ihren Einflüssen auf das globale Klima, die sich sowohl auf die Vergangenheit beziehen als auch Zukunftsprognosen stellen, für naturwissenschaftlich falsch halten. Das neue populärwissenschaftliche Buch von Fritz Vahrenholt und Sebastian Lüning „Die kalte Sonne“ greift das auf und konzentriert sich dabei auf ein Lieblingsthema der Klimaskeptiker.

Unverstandene Wirkungen von Sonnenaktivitäten seien die wahre Hauptursache von Klimaschwankungen, so die zentrale These des Buches. Das Klima erwärme sich allenfalls geringfügig und langsam. Denn menschliche Klimagasemissionen gebe es zwar, sie hätten aber kaum eine Wirkung. Man könne, so Vahrenholt und Lüning weiter, noch eine lange Zeit weiter auf fossile Brennstoffe – denen die meisten Emissionen zugeschrieben werden – bei Strom, Wärme und Treibstoff setzen. Mit den treibhausgasfreien erneuerbaren Energien und einer Steigerung Energieeffizienz sei es nicht eilig. Ein Überdenken von Lebensstilen, etwa eine Reduktion des emissionsintensiven Fleischkonsums, sei erst recht unnötig.

Nahezu die gesamte weltweite Klimanaturwissenschaft teilt die Thesen der Klimaskeptiker allerdings nicht. Es herrscht nahezu Konsens darüber, dass Vermutungen zu schwankenden Sonnenaktivitäten im Kern nur altbekannte und höchst vage Spekulation sind. Dementsprechend einhellig negativ kommentiert die Fachwelt die Thesen von Vahrenholt und Lüning, die selbst keine Klimawissenschaftler sind. Eine fachwissenschaftliche Argumente-Schlacht gegen die Klimaskeptiker verstehen allerdings nur wenige Fachleute. Das kann beim Laien leicht den falschen Eindruck erwecken, am Ende sei doch alles ungewiss. Dass die Klimaskeptiker im Tonfall oft deutlich angegangen werden, mag bei manchem gar Mitleid wecken.

In Deutschland gelten rund 30 % der Menschen mehr oder minder als Klimaskeptiker. Demokratie und Klimaschutz gleichermaßen stehen damit vor einem latenten Problem, so wenig wissenschaftlich wasserdicht die Thesen von Leuten wie Vahrenholt und Lüning auch sind. Das gilt, auch wenn einige Klimaskeptiker im Internet wie Verschwörungstheoretiker reden, die mit Beleidigungen um sich werfen und eher eine allgemeine Frustration ausleben als Sachkundiges beitragen.

Nicht ganz unrecht haben Vahrenholt und Lüning damit, dass die gängige Klimanaturwissenschaft die Unsicherheit ihrer Klimaprognosen öffentlich deutlicher zugeben könnte. Die Zukunft definitiv vorhersehen kann niemand. Ferner sollten sich einzelne Exponenten der Wissenschaft vielleicht weniger als politische Pressure Group präsentieren und dies den Umweltverbänden überlassen. Richtig ist auch, dass die etablierte Klimanaturwissenschaft selbst Eigeninteressen repräsentiert und einen offenen gesellschaftlichen Diskurs als Begleitung braucht. Dass allerdings ausgerechnet die Autoren, die beim einem der größten europäischen fossilen Energiekonzerne arbeiten, nämlich bei RWE, sich als Sachwalter der Objektivität präsentieren, verwundert dann doch.

Dass klimaskeptische Äußerungen keinesfalls die Klimapolitik ausbremsen sollten, folgt außerdem aus drei meist übersehenen Punkten. Erstens sind jedenfalls die fossilen Brennstoffe definitiv endlich. Deshalb ist ein Umstieg auf mehr Energieeffizienz und mehr erneuerbare Energien und damit der größte Teil der Klimapolitik so oder so sinnvoll. Die meisten Maßnahmen zum Klimaschutz sparen fossile Energie, sparen zudem Geld, schaffen Arbeitsplätze, verringern die Abhängigkeit von teurer werdenden Energieimporten, verringern Ressourcenknappheiten und machen das Leben oft sogar angenehmer.

Der zweite Punkt ist: Unsicherheit über die Zukunft, wie sie die Klimaskeptiker exzessiv behaupten, gibt es immer, es kann aber in puncto Klimawandel alles nicht nur weniger schlimm, sondern auch sehr viel schlimmer kommen, als man momentan erwartet. Die Klimaforschung bietet dafür auch konkrete Anhaltspunkte. Der dritte Punkt ist: Künftige ungewisse Gefahren wie den Klimawandel kann man nicht deshalb ausblenden, weil ihr Wahrscheinlichkeitsgrad vielleicht umstritten ist – es würde auch niemand über eine Straße gehen, wenn man ihm sagt, man werde „nur“ mit 30 % Wahrscheinlichkeit totgefahren werden. Aufgrund dieses Vorsorgeprinzips ändert sich die Notwendigkeit von Klimapolitik angesichts der potenziell drastischen Folgen des Klimawandels nicht dadurch, dass niemand seine ganz exakte Wahrscheinlichkeit definitiv kennt.

Das hier besprochene Buch repräsentiert, gut lesbar geschrieben, eine populäre, aber wissenschaftlich nicht anerkannte Meinung. Neue Erkenntnisse in der Sache erbringt es eher nicht. Der Auseinandersetzung mit seinen klimapolitisch fatalen Konsequenzen ausweichen sollte man allerdings auch nicht.

Professor Felix Ekardt, Universität Rostock, leitet die Forschungsstelle Nachhaltigkeit und Klimapolitik in Leipzig und ist der Kandidat von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zur Oberbürgermeisterwahl 2013.

Eindrücke vom Ostdeutschen Energieforum in Leipzig

von Anett Ludwig, (AK Umwelt- und Klimaschutz)

wie besprochen übermittle ich meine Eindrücke vom Ostdeutschen Energieforum, an dem ich am 10. Mai 2012 teilgenommen habe:

a) nur 3 Redner aus der Erneuerbaren Energien-Branche waren beteiligt (ENERCON [Wind], Q-Cells [Solar] und Solar World [Solar])

b) nur 2 Frauen als ReferentInnen

c) Kernaussage ist, dass Kohle- und Gaskraftwerke benötigt werden und die Planungen hierfür umgesetzt werden sollen

d) Braunkohle und Erdgas werden als “Brückentechnologie” gesehen

e) vor allem die IHK, Interessensgemeinschaft der UN-Verbände Ostdeutschland und Berlin sowie das BMWi  sprachen

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