Grünes Blog Leipzig

Polizei und Zivilgesellschaft – ein Gegensatz?

Workshops und Diskussion am 17.01.2012 um 18.00 Uhr, Alte Nikolaischule, Nikolaikirchhof 2, Leipzig

Die eigene Freiheit und die eigene Sicherheit sind wichtige Grundbedürfnisse des Menschen. Oft überwiegt der Wunsch nach Freiheit, etwa danach, unbeschränkt seine Meinung kundzutun. Die Sicherheit – als Voraussetzung für freiheitliches Handeln – hingegen ist ein Grundgefühl, das durch Gefahr und Gewalterfahrung in Frage gestellt wird.

In diesem Spannungsfeld spielt die Polizei eine wichtige Rolle. Durch ihre Präsenz – sei es beim Streifefahren oder der Absicherung von Demonstrationen – ermöglicht sie vor allem die Wahrnehmung demokratischer Rechte. Um diese Aufgabe gut ausfüllen zu können, benötigt sie in erster Linie ausreichend und gut ausgebildetes Personal.

Mit dem Projekt „Polizei.Sachsen.2020“ plant der Innenminister die Streichung von ca. 3.000 Polizeistellen bis 2020. Damit geht auch ein Rückzug der Polizei an allen Standorten einher. Bereits jetzt sind kleinere Polizeiposten nur noch unregelmäßig besetzt.

Kann die Polizei unter diesen Voraussetzungen ihre Aufgaben gut erfüllen? Oder geraten Polizeibeamte durch die steigende Belastung zunehmend so unter Druck, dass sie sich nicht mehr auch als Hüter der Grundrechte, sondern nur noch als Ausführende des Gewaltmonopols verstehen? Kann die Polizei bei Gefahr für Leib und Leben rechtzeitig vor Ort sein?

Diese Fragen diskutieren mit Ihnen Horst Wawrzynski, Polizeipräsident Leipzig (angefr.), Hagen Husgen, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (angefr.) und Eva Jähnigen, innenpolitische Sprecherin der GRÜNEN-Landtagsfraktion in dem Workshop:

Polizei(struktur)reform in Sachsen – Polizei zwischen Modernisierung und Stellenabbau

Im Gegensatz zur Gewährleistung liegt die Ausübung demokratischer Rechte nicht in den Händen der Polizei sondern der Zivilgesellschaft.

Über die Zivilgesellschaft und ihre Akteure wird viel diskutiert. Sie sind für die Stärkung demokratischer Strukturen in Gemeinden zwingend notwendig. Sie stärken zudem die sozialen Strukturen in unserer Gesellschaft.

In Sachsen werden zivilgesellschaftliche Akteure von der Staatsregierung zum einen sehr stark mit der Fragestellung konfrontiert, inwieweit sie überhaupt demokratisch sind. Die sog. Extremismuserklärung verlangt von Akteuren der Zivilgesellschaft ein Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung und ihren Werten, nicht nur von staatlich geförderten Vereinen und Initiativen sondern auch von deren Projektpartnern. Ein kollektives Misstrauen gegenüber Demokraten durch den Staat einerseits und zwischen demokratisch-zivilgesellschaftlichen Akteuren andererseits ist die Konsequenz.

Zum anderen ist die Zivilgesellschaft in Sachsen gerade durch Verbote von Demonstrationen, durch das Ausspähen personenbezogener Daten bei Demonstrationen oder durch strafrechtliche Verfolgung nach demokratischen Protestformen einer zunehmenden staatlichen Repression ausgesetzt.

Führt das gegenseitig bekundete Misstrauen zum Erstarken der Kräfte, die die Demokratie unterminieren wollen? Was kann Zivilgesellschaft für die Konstituierung einer demokratischen Gesellschaft leisten? Wie können Zivilgesellschaft und ihre Akteure gestärkt werden? Welche Aufgabe hat dabei das Ehrenamt? Ist Zivilgesellschaft in Sachsen überhaupt noch erwünscht?

Diese Fragen diskutieren mit Ihnen Grit Hannefort, Kulturbüro Sachsen, Stephan Meister, Netzwerk für Demokratische Kultur e.V., Sven Forkert, Landespräventionsrat (angefr.), Eiko Kühnert, Fachstelle Extremismusprävention (angefr.) moderiert von Miro Jennerjahn, demokratiepolitischer Sprecher der GRÜNEN-Landtagsfraktion in dem Workshop:

Zwischen Extremismuserklärung und Courage – Rolle und Möglichkeiten der Zivilgesellschaft in Sachsen

In einem Abschlussplenum wird den Fragen nachgegangen, inwieweit und mit welchen Möglichkeiten sich Polizei und Zivilgesellschaft gemeinsam für eine Stärkung der Demokratie, für ein weltoffenes Sachsen und für eine friedliche Ausübung demokratischer Rechte einsetzen können.

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polizei_zivilgesellschaft_2012-01-17.pdf (160 KB)
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PM von RSL99: Zum Verhalten der Polizei in Brandis

Pressemitteilung vom 25.10.2009

Beim Auswärtsspiel des Roten Stern Leipzig (RSL) am 24.10.2009 beim FSV Brandis wurden Spieler, Verantwortliche und Fans von etwa 50 Neonazis angegriffen. Dabei wurden 3 RSL-Fans schwer verletzt. Zu den Vorfällen und der Arbeit der eingesetzten Polizeibeamten erklärt Claudia Krobitzsch, Presseverantwortliche des Roten Stern Leipzig:

„Es muss an dieser Stelle noch einmal mit allem Nachdruck erklärt werden, dass die Polizei völlig unvorbereitet auf die stattgefundenen Ereignisse reagiert hat. Zum Zeitpunkt des Neonazi-Angriffs waren keine Beamten auf dem Sportgelände. Erst nachdem die Angreifer zusehends in die Defensive geraten waren, sah man ungefähr 8 Beamte auf dem Sportplatz, die gemeinsam mit den Fans des RSL versuchten, die Lage zu deeskalieren. Somit hat die Polizei weder die Neonazis von den Fußballzuschauern getrennt, noch den Angriff verhindert oder das Stadion geräumt. Sie war anfänglich schlichtweg nicht präsent und während der Auseinandersetzung völlig überfordert.

Zudem entspricht die von der Polizei getroffene Aussage, dass der Torhüter des RSL verletzt sei, in keinster Weise den Tatsachen. Dies ist ein weiteres Indiz dafür, dass die Berichterstattung der Polizei mangelhaft ist.

Erst nach einer halben Stunde trafen weitere Polizeibeamte am Ort des Geschehens ein. Die Neonazis hatten sich zu diesem Zeitpunkt längst vom Sportplatz entfernt.

Wenn es zu Angriffen auf Beamte gekommen sein soll, dann sind diese nicht von RSL-Fans ausgegangen, da diese über die spärlich eingesetzten Polizeikräfte eher froh waren.“

Der Verein Roter Stern Leipzig ´99 e.V. hofft, dass die polizeilichen Ermittlungen zum Ergreifen der betreffenden Neonazis beitragen werden.

Roter Stern Leipzig ´99 e.V.

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Unkommentierte Pressemitteilung zum geplanten Polizeieinsatz am 17.10. in Leipzig

Anti-Nazi-Demo in Leipzig - GRÜNE: Martialische Aussagen der Polizei nicht hilfreich

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Jennerjahn: Gegendemonstration wird nur erfolgreich, wenn sich viele Bürger beteiligen

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Dresden/Leipzig. In der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag werden die zum Teil martialischen Aussagen des Leipziger Polizeipräsidenten Horst Wawrzynski im Vorfeld der morgigen Anti-Nazi-Demo bedauert.

"Die Gegendemonstration wird nur erfolgreich, wenn sich viele Bürgerinnen und Bürger daran beteiligen", so Miro Jennerjahn, demokratiepolitischer Sprecher der Fraktion. "Es muss darum gehen, die Bürgerschaft zu mobilisieren. Die Aussagen des Polizeipräsidenten <<mit aller Konsequenz und aller gebotenen Härte>> gegen Störungen vorzugehen, sind da wenig hilfreich."

"Ich erwarte von der Polizei, dass sie mit gebotener Klugheit und Angemessenheit die friedlichen Proteste gegen Nazis begleitet", fordert Jennerjahn, der sich daran beteiligen wird. "Und das auch, wenn es zu Aktionen des zivilen Ungehorsams kommt. Demonstrationen stören immer, sonst wären sie keine."

"Dass die Polizei gegen Gewalt vorgeht, ist eine pure Selbstverständlichkeit."

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