Verwaltung in Leipzig - ein Possenspiel, diesmal Standanmeldung
Aus der Reihe so schön transparent und logisch nachvollziehbar kann Verwaltung sein, eine neue Episode. Diesmal freundlicherweise präsentiert vom Verkehrs- und Tiefbauamt der Stadt Leipzig.
Das es in Leipzig eine Sondernutzungssatzung der Stadt gibt, die regelt in welchen Maße öffentliche Plätze und Straßen genutzt werden dürfen, vermag nicht zu überraschen. Lange Zeit stand in dieser Sondernutzungssatzung auch, dass politische Stände eine Gebühr zu zahlen hätten. Maßgeblich auf Initiative der Stadtratsfraktion von BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN wurde die Sondernutzungssatzung an dieser Stelle geändert. Nunmehr heißt es in § 6 Abs .3 Punkt g der Satzung
(3)Erlaubnispflichtige, aber gebührenfreie Sondernutzungen nach dieser Satzung sind:
...
g) Informationsstände von politischen Parteien, caritativer, gemeinnütziger und religiöser
Organisationen sowie Informationsstände von Einzelpersonen und Interessengruppen
mit politischem Inhalt
Ziel war es insbesondere auch kleineren Parteien oder Initiativen die Möglichkeit zu geben, für die eigenen Überzeugung zu werben und die Argumente erklärbar zu machen. Bislang fiel für eine Standanmeldung eine Gebühr von ca. 30 € an, sofern es sich um einen Stand mit einem politischen Inhalte handelte.
Ausgehend von der neuen Satzung, welche seit April 2012 in Leipzig gilt, könnte man nun davon ausgehen, dass keine weiteren Gebühren anfallen. Doch weit gefehlt. Denn in § 6 Abs. 6 der Satzung taucht folgender Passus auf:
(6) Das Recht, für die Erlaubniserteilung Verwaltungsgebühren zu erheben, bleibt unberührt.
Laut einer internen Dienstanweisung, auf welcher Grundlage auch immer, werden nunmehr über 60 € Verwaltungsgebühren erhoben. Außerdem wird von einer Frist fabuliert, man möge doch bitte die Anmeldung mindestens zwei Wochen im voraus einreichen. Eine Einreichungsfrist freilich findet sich in der Satzung nicht. Diese Dienstanweisung ist weder transparent zustande gekommen, noch öffentlich einsehbar. Bedeutet man müsste damit leben.
Kurz und knapp lässt sich resümieren, dass das Ziel Stände mit einem poilitischen Inhalt (also auch Stände von Bürgerinitiativen) zu entbürokratisieren und die Kosten zu senken, irgendwie bei der Verwaltung nicht so recht angekommen ist. Zumal die Verwaltung in diesem Fall, die "Fachleute" aus dem Verkehrs- und Tiefbauamt, meint noch prüfen zu dürfen, ob es sich überhaupt um einen politischen Stand handelt.
So richtig logisch nachvollziehbar ist das dann auch nicht mehr - ein Possenspiel. Der zuständige Mitarbeiter über dessen Namen wir an dieser Stelle den Mantel des Schweigen hüllen, meinte übrigens, dass Bäume zu verteilen um für Klimaschutz zu werben auch kein politisches Anliegen sei.
Ich meine an dieser Stelle, etwas zu meinen, heißt gottlob nicht wissen und die Verwaltung in Leipzig hat mitunter in ihrem Wirken eine frappierende Ähnlichkeit mit der Verwaltung in Schilda, dem Hort der Schildbürger. Aber dies ist eine andere Geschichte und soll ein anderes mal erzählt werden.
Autor: Jürgen Kasek

